
Nicht selten liegen Leih-E-Scooter auf Wegen herum, wie hier auf dem Veloring, statt sorgsam dort abgestellt zu werden, wo sie niemanden stören oder gefährden. © Bernhard Glatthaar
Fragwürdiger Nutzen
Ist es „nachhaltige Mikromobilität“ oder „Multimodalität auf der letzten Meile“, wie im Fachjargon der öffentliche Verleih von E-Scootern gerne bezeichnet wird?
Ist es „nachhaltige Mikromobilität“ oder „Multimodalität auf der letzten Meile“, wie im Fachjargon der öffentliche Verleih von E-Scootern gerne bezeichnet wird? Oder ist es eher einer der vielen Trends, an denen man nicht vorbeikommt, wenn man gerne dem Zeitgeist folgt? Die Stadt Friedrichshafen propagiert ihre E-Scooter als Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr – gibt es valide Beweise, dass sie tatsächlich so genutzt werden? Oder werden mit den Elektrorollern eher Gelegenheitsfahrten erledigt?
Seit 2023 stehen 250 E-Scooter zum Ausleihen zur Verfügung. Sie sind im Stadtbild überall zu sehen, leider nicht nur an den für sie eingerichteten Abstellplätzen. Sie stehen auf Geh- und Radwegen und nicht selten liegen sie quer über dem Weg.
Es ist an der Zeit, dass eine unabhängige – also nicht vom Betreiber erstellte – Erhebung über die tatsächliche Nutzung der E-Scooter im Sinne der nachhaltigen Mobilität durchgeführt wird. Auch die Entwicklung der Unfallzahlen mit E-Scootern sollte in die Entscheidung einfließen, ob die Stadt das Angebot aufrechterhalten will.
Die Stadtverwaltung hatte sich vor der Einführung hohe Ziele gesteckt und eine Überprüfung des Verleihs von E-Scootern versprochen. In der Sitzungsvorlage von April 2022 zur „Schaffung eines Sharing-Angebots für E-Scooter und Pedelecs“ wurde formuliert – Liebhaber klangvoller Verwaltungstexte aufgepasst:
„Der Verkehrssektor steht innovations- und umweltbedingt im Kontext europäischer und deutscher Regulierungsansätze wie dem Europäischen „Grünen Deal“ und der Verkehrswende in Baden-Württemberg vor großen Umbrüchen. Die Stadt Friedrichshafen hat sich im Rahmen des in 2017 partizipativ entwickelten Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zukunftsfähige vernetzte Mobilität sowie die Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen als strategische Ziele gesetzt. Um globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel auf kommunaler Ebene zu begegnen und die Lebensqualität der Häfler Bürger – angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse – zu steigern, müssen auch innovative Mobilitätsformen in den Fokus rücken. Mit der Verkehrswende 2030 bestreitet die Landesinitiative des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg unter anderem auch den Weg der Elektromobilität im Individualverkehr, sodass bereits einige Kommunen ein öffentliches E-Scooter-Angebot etabliert haben. Aus diesem Grund setzte sich die Verwaltung zum Ziel, E-Scooter im Stadtgebiet von Friedrichshafen zu testen und die gewonnenen Erfahrungswerte hinsichtlich eines langfristigen öffentlichen Angebots zu analysieren.“
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