
Fehlkonstruktion
Über Fahrradstraßen wird kontrovers diskutiert: Viele Landwirte mögen sie nicht, weil sie sich durch Radler behindert fühlen, manche Kommunalpolitiker fürchten um Wählerstimmen.
HAGNAU/STETTEN/MEERSBURG. Über Fahrradstraßen wird kontrovers diskutiert: Viele Landwirte mögen sie nicht, weil sie sich durch Radler behindert fühlen, manche Kommunalpolitiker fürchten um Wählerstimmen eingefleischter Schleichwegautofahrer und die Straßenverkehrsbehörden finden manchmal leichter Argumente dagegen als dafür. Ganz anders lief es bei der Fahrradstraße auf dem Begleitweg südlich der B 31 zwischen Hagnau und Meersburg.
Beim Stau auf der B 31 westlich von Hagnau weichen einzelne Autofahrer auf den parallelen Weg neben der B 31 aus, zum Teil mit hohen Geschwindigkeiten. Um dies zu unterbinden, ordnete die Straßenverkehrsbehörde auf dem Begleitweg eine Fahrradstraße an.
Es kann angezweifelt werden, dass diese Fahrradstraße dem Grundgedanken der Straßenverkehrsordnung gerecht wird, denn eine Fahrradstraße ist zum Nutzen des Radverkehrs einzurichten. Eine wichtige Netzfunktion der Strecke für den Radverkehr und das Potential für die zunehmende Nutzung durch Radfahrer sind Voraussetzungen für die Einrichtung einer Fahrradstraße. Diese Fahrradstraße ist aber keine attraktive Verbindung von Hagnau nach Meersburg, denn beim Töbele in Meersburg existiert kein weiterführender Radweg. Die Strecke an der B 31 kann auch wegen der Topografie keine Funktion als Alltagsroute parallel zum Bodenseeufer einnehmen.
Somit stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Zulässigkeit der Fahrradstraße, denn allein die verkehrslenkende Absicht, eine Stauumfahrung durch Kfz zu unterbinden, ist nicht ausreichend.
(Bernhard Glatthaar, 2025)