
Diese Schranke auf der alten B 467 setzte bisher an Sonn- und Feiertagen das Kfz-Fahrverbot durch. 2025 wurde die Schranke von der Stadt verschrottet. © Hans Schöpf
Hopfen und Malz verloren
Seit 1986 gilt auf der alten B 467 an Sonn- und Feiertagen ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge, um zumindest an diesen Tagen ein sicheres und entspanntes Radeln zu ermöglichen.
Seit 1986 gilt auf der alten B 467 an Sonn- und Feiertagen ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge, um zumindest an diesen Tagen ein sicheres und entspanntes Radeln zu ermöglichen.
Die Fahrverbotsschilder wurden trotz Polizeikontrollen von vielen Autofahrern ignoriert, weswegen die Stadt Tettnang im Jahr 2006 schließlich zwei Schranken installierte: In Argenhardt und an der Einmündung Gießenbrücke. Seither konnten Radler, v.a. auch Familien mit kleinen Kindern, an Sonn- und Feiertagen zwischen Ostern und Oktober die Straße sicher und sorgenfrei nutzen. Die beiden Schranken wurden im Sommerhalbjahr an jedem Sonn- und Feiertag morgens geschlossen und abends wieder geöffnet. Der Schrankendienst wurde zunächst von den Tettnanger Grünen ehrenamtlich durchgeführt. 2012 übernahmen Eltern des St. Gallus-Kindergartens den Dienst und erhielten dafür von der Stadt eine kleine Entlohnung für die Kindergartenkasse, zuletzt 1200 Euro pro Jahr.
Wegen der angespannten finanziellen Lage der Stadt wurde im Oktober 2025 von der Stadtverwaltung beschlossen, diesen wertvollen Schrankendienst der Kindergarten-Eltern zu beenden. Es wurden keine anderen ehrenamtlichen Helfer gesucht, die den Dienst ab Ostern 2026 unentgeltlich erledigt hätten, auch ein Spendenaufruf fand nicht statt. Nicht einmal die Tettnanger Aktionsgruppe „Sichere B 467 alt“, die von 2019 bis 2022 für die Fahrradstraße gekämpft hatte, wurde gefragt, ob sie den Schrankendienst übernehmen!
Unglaublich, aber wahr: Stattdessen schaffte die Stadtverwaltung vollendete Tatsachen, denn direkt nach dem Gemeinderatsbeschluss, den bezahlten Schrankendienst zu beenden, wurden beide Schranken abgebaut – und (schlimmer geht’s nimmer) sofort verschrottet! Ein Mitglied des Gemeinderats hatte nach dem Beschluss explizit darum gebeten, die Schranken nicht zu demontieren, doch die Mühlen der Verwaltung waren nicht mehr aufzuhalten.
Durch den Abbau der Schranken wurde also die einzige Möglichkeit vernichtet, mit Kindern einmal in der Woche im geschützten Straßenraum an den See radeln zu können. Zwar hat sich die Situation für Radler durch die Fahrradstraße wochentags durchaus verbessert, aber Autos fahren hier weiterhin - und im Winterhalbjahr bei offener Schranke auch sonntags, trotz eindeutigem Verbotsschild. Warum also sollte das im kommenden Sommerhalbjahr anders sein? Es werden somit im Sommerhalbjahr an Sonn- und Feiertagen wieder unerlaubterweise viele Autos und Motorräder auf der Fahrradstraße fahren, zu oft rücksichtslos, zu schnell mit waghalsigen Überholmanövern und mit viel zu geringem Seitenabstand.
Wir werden die Situation ab Ostern 2026 genau beobachten, wie früher auch Verstöße melden und auf Polizeikontrollen hoffen (die übrigens auch Geld kosten). Und wir werden wieder mit uneinsichtigen Autofahrern diskutieren und uns dabei beschimpfen lassen – schade.
(Daniel Hegele 2026)








